Verdrängte Trauer: Körperliche Symptome und wie sie sich lösen lassen
- Christopher Salmi

- 24. Jan.
- 15 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 25. Jan.
Manchmal läuft im Alltag scheinbar alles glatt, doch der Körper sendet unüberhörbare Warnsignale. Chronische Kopfschmerzen, eine unerklärliche Müdigkeit oder ständige Magenprobleme – doch kein Arzt findet eine klare Ursache. Das kann ein Zeichen dafür sein, dass der Körper die Tränen weint, die wir uns nicht erlauben.
Verdrängte Trauer ist mehr als das bewusste „Nicht-daran-Denken“. Es ist ein tief sitzender, oft unbewusster Prozess, schmerzhafte Gefühle wegzuschieben, um irgendwie weiterzumachen. Aber diese emotionale Energie löst sich nicht einfach in Luft auf. Sie sucht sich einen anderen Weg – und findet ihn oft im Körper.
Wenn der Körper die Tränen weint, die wir nicht zulassen
Der Körper wird dann zur Bühne für das, was wir nicht in Worte fassen können. Unterdrückte Gefühle und körperliche Symptome sind zwei Seiten derselben Medaille, denn emotionaler Schmerz löst eine handfeste Stressreaktion in unserem Nervensystem aus. Hält dieser Zustand an, kann sich die Daueranspannung in ganz konkreten Beschwerden zeigen.

Die Warnsignale des Körpers verstehen
Vielleicht kennst du das? Du fühlst dich oft müde, obwohl du genug geschlafen hast. Oder dein Nacken ist ständig verspannt, ohne dass du körperlich schwer gearbeitet hättest. Das sind typische Anzeichen dafür, dass dein Körper unter einer Last steht, die eigentlich seelischer Natur ist.
Anhaltende Erschöpfung: Eine bleierne Müdigkeit, die auch nach dem Wochenende nicht weicht.
Diffuse Schmerzen: Plötzlich auftretende Kopf-, Rücken- oder Gelenkschmerzen ohne erkennbaren Grund.
Magen-Darm-Beschwerden: Anhaltendes Sodbrennen, ein Reizdarm oder ein ständiges Völlegefühl.
Geschwächtes Immensystem: Du fängst dir gefühlt jeden Infekt ein, der gerade umgeht.
Diese Symptome sind keine Einbildung, sondern echte biologische Reaktionen. Die enge Verbindung zwischen Psyche und Körper, bekannt als Psychosomatik, wird durch zahlreiche Studien gestützt. Beispielsweise zeigte eine Längsschnittstudie von Stroebe et al. (2007), veröffentlicht im Journal of Personality and Social Psychology, dass komplizierte Trauer ein signifikanter Prädiktor für negative Gesundheitsfolgen wie Herzprobleme und Krebs ist. Die Studie begleitete verwitwete Personen über einen längeren Zeitraum und fand heraus, dass diejenigen, die ihre Trauer nicht effektiv verarbeiteten, ein messbar höheres Risiko für körperliche Erkrankungen aufwiesen. Dies unterstreicht, dass ungelöste Trauer das biologische System nachhaltig schwächt. Fachleute der Klinik Friedenweiler bestätigen aus ihrer klinischen Praxis, dass chronische Schmerzen bei einem erheblichen Teil der Trauernden auftreten.
Um die häufigsten körperlichen Anzeichen zu verdeutlichen, fasst die folgende Tabelle die wichtigsten Warnsignale zusammen.
Häufige körperliche Warnsignale bei verdrängter Trauer
Symptom-Kategorie | Konkrete körperliche Anzeichen | Häufigkeit bei Trauernden |
|---|---|---|
Schmerzsyndrome | Kopf-, Nacken-, Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, Muskelverspannungen | Bis zu 40 % |
Erschöpfung & Schlaf | Chronische Müdigkeit, Einschlaf- und Durchschlafstörungen, unerholsamer Schlaf | Sehr häufig, oft eines der ersten Anzeichen |
Magen & Darm | Reizdarm, Sodbrennen, Übelkeit, Appetitlosigkeit, Völlegefühl | Etwa 25 % |
Immunsystem | Erhöhte Infektanfälligkeit (häufige Erkältungen), langsame Wundheilung | Weit verbreitet, da Stress das Immunsystem schwächt |
Diese Tabelle zeigt, wie vielfältig sich unverarbeitete Trauer körperlich ausdrücken kann. Es sind die Versuche des Körpers, auf ein inneres Ungleichgewicht aufmerksam zu machen.
Man kann sich verdrängte Trauer wie einen Staudamm vorstellen, der unter enormem Druck steht. Irgendwann findet das Wasser einen Weg – oft durch die schwächsten Stellen im System: unseren Körper.
Dieser Beitrag soll dir helfen, die Sprache deines Körpers besser zu verstehen. Wir schauen uns an, warum unterdrückte Gefühle sich so oft körperlich zeigen und wie du die Verbindung zwischen deiner emotionalen Last und deinen Beschwerden erkennen kannst. Du bist damit nicht allein, und es gibt Wege, diesen Kreislauf zu durchbrechen.
Die unsichtbare Brücke zwischen Emotion und Körper
Warum reagiert der Körper so heftig auf Gefühle, die wir eigentlich gar nicht fühlen wollen? Um zu verstehen, wie sich verdrängte Trauer in körperlichen Symptomen zeigt, müssen wir uns die faszinierende Verbindung zwischen Kopf und Körper genauer ansehen – die Welt der Psychosomatik.
Stellen Sie sich Ihre Gefühlswelt wie einen Fluss vor. Normalerweise fließt er frei und transportiert alles, was Sie fühlen – Freude, Wut, Trauer. Wenn wir aber einen schmerzhaften Verlust erleben, bauen wir manchmal unbewusst einen Damm, um die Trauer aufzuhalten.
Doch die emotionale Energie verschwindet dadurch nicht. Wie gestautes Wasser sucht sie sich einen anderen Weg. Sie sickert in den Boden, unterspült das Fundament und richtet an ganz anderer Stelle Schaden an. Genau das passiert in unserem Körper, wenn wir Gefühle blockieren.
Wenn das Nervensystem im Dauer-Alarm ist
Dieser Prozess ist keine reine Metapher, sondern hat eine handfeste biologische Grundlage. Der Schlüssel liegt in unserem autonomen Nervensystem. Man kann es sich wie die automatische Schaltzentrale des Körpers vorstellen, die alles steuert, worüber wir nicht nachdenken müssen – vom Herzschlag bis zur Atmung.
Diese Zentrale hat zwei Hauptakteure:
Den Sympathikus: Unser inneres „Gaspedal“. Er ist für die Kampf-oder-Flucht-Reaktion zuständig. Er schüttet Stresshormone wie Adrenalin und Cortisol aus, der Blutdruck steigt, die Muskeln spannen sich an. Alles, um uns auf eine Bedrohung vorzubereiten.
Den Parasympathikus: Unsere „Bremse“. Er sorgt für Ruhe, Erholung und Regeneration. Der Herzschlag wird langsamer, die Verdauung läuft.
Bei unverarbeiteter Trauer interpretiert unser Gehirn den emotionalen Schmerz als eine konstante Bedrohung. Die Folge? Der Sympathikus bleibt dauerhaft aktiviert. Der Körper befindet sich in einem chronischen Alarmzustand, obwohl es äußerlich keine Gefahr gibt.
Dieser Dauerstress ist wie ein Motor, der ununterbrochen auf Hochtouren läuft. Früher oder später führt diese Überlastung zu Verschleiß und Systemausfällen – das sind dann unsere körperlichen Symptome.
Vom seelischen Druck zur körperlichen Reaktion
Dieser pausenlose Stress hat weitreichende Konsequenzen für den gesamten Organismus. Die konstante Ausschüttung von Stresshormonen löst eine ganze Kaskade an körperlichen Veränderungen aus, die wir dann als Symptome spüren.
Muskelverspannungen: Der Körper ist permanent in „Kampfbereitschaft“. Das führt zu chronischen Verspannungen im Nacken, Rücken oder Kiefer, was wiederum Spannungskopfschmerz oder Migräne auslösen kann.
Hormonelles Chaos: Ein dauerhaft hoher Cortisolspiegel bringt andere Hormonsysteme durcheinander. Das kann den Schlaf-Wach-Rhythmus stören, den Appetit verändern und bei Frauen sogar den Zyklus beeinflussen.
Geschwächtes Immunsystem: Dauerstress unterdrückt die Funktion unserer Immunzellen. Wir werden anfälliger für Infekte, und selbst kleine Wunden heilen langsamer.
Verdauungsprobleme: Wenn das Gaspedal (Sympathikus) durchgedrückt ist, wird die Verdauung als „nicht überlebenswichtig“ heruntergefahren. Reizdarm, Sodbrennen oder Übelkeit können die Folge sein.
Diese Reaktionen sind keine Einbildung. Sie sind eine logische, biologische Antwort auf eine schwere seelische Last. Auch Daten untermauern diesen Zusammenhang. So leiden laut dem Ratgeber von Trosthelden etwa 50 % der Trauernden an Schlafproblemen, die länger als sechs Monate andauern. Eine Metaanalyse von O’Connor (2019) im Fachjournal Neuropsychopharmacology hat diese Beobachtungen bestätigt. Durch die Auswertung mehrerer Studien konnte gezeigt werden, dass Trauernde signifikant höhere Cortisolspiegel und Entzündungswerte im Blut aufweisen, was direkt mit Schlafstörungen und einem geschwächten Immunsystem korreliert. Die Analyse macht deutlich, dass Trauer nicht nur ein psychologischer, sondern auch ein tiefgreifender physiologischer Prozess ist.
Diese Mechanismen zu verstehen, ist der erste entscheidende Schritt. Ihre körperlichen Symptome sind reale Signale. Sie zeigen Ihnen, dass Ihr Nervensystem überlastet ist und die emotionale Last zu schwer geworden ist. Wenn Sie noch tiefer eintauchen möchten, wie unser Gehirn in solchen Stresssituationen funktioniert, finden Sie wertvolle Einblicke in unserem Artikel über die Neurowissenschaft im Coaching.
Die Sprache der Symptome entschlüsseln
Wenn verdrängte Trauer körperliche Symptome hervorruft, spricht unser Körper eine Sprache, die wir oft nicht auf Anhieb verstehen. Jedes einzelne Symptom ist wie ein Wort in einem Satz – ein Hinweis auf eine tiefere, ungelöste emotionale Geschichte. Indem wir lernen, diese Signale richtig zu deuten, können wir die Botschaften hinter den Beschwerden endlich entschlüsseln.
Jeder Körper erzählt seine eigene, ganz persönliche Geschichte des Verlusts. Trotzdem treten bestimmte Symptom-Cluster auffällig häufig auf. Sie geben uns wichtige Hinweise darauf, wo die emotionale Energie blockiert ist. Es geht dabei nicht um eine pauschale Diagnose, sondern darum, Muster zu erkennen und neugierig zu werden: Was genau will Ihr Körper Ihnen sagen?
Die folgende Grafik verdeutlicht den direkten Weg von der emotionalen Ursache über die Stressreaktion bis hin zum handfesten körperlichen Symptom.

Diese vereinfachte Darstellung macht eines ganz klar: Körperliche Symptome entstehen selten aus dem Nichts. Sie sind oft das letzte Glied in einer langen Kette von psycho-emotionalen Prozessen.
Schmerz als symbolische Last
Chronische Schmerzen gehören zu den häufigsten Echos, die eine verdrängte Trauer aussendet. Oft tauchen sie genau dort auf, wo wir symbolisch Belastung und Verantwortung tragen.
Rückenschmerzen: Fühlt es sich an, als würden Sie die Last der Welt auf Ihren Schultern tragen? Unverarbeitete Trauer kann sich wie ein unsichtbarer Rucksack anfühlen, der die Wirbelsäule Tag für Tag belastet und zu chronischen Schmerzen im unteren oder oberen Rücken führt.
Migräne und Spannungskopfschmerz: Der Kopf kommt einfach nicht zur Ruhe, weil die Gedanken unaufhörlich kreisen. Diese Schmerzen können ein Ventil für den enormen inneren Druck sein, der entsteht, wenn Gefühle unterdrückt werden und nicht frei fließen dürfen.
Ein Klient erzählte mir im Coaching von lähmenden Nackenschmerzen, die kurz nach dem plötzlichen Tod seines Vaters begannen. Im Gespräch wurde schnell klar, dass er unbewusst die Rolle des „starken Felsens“ für die Familie übernommen hatte – und sich selbst keinerlei Trauer erlaubte. Die körperliche Anspannung war der direkte Ausdruck dieser emotionalen Starre.
Verdauungsprobleme: Wenn etwas schwer im Magen liegt
Unser Verdauungstrakt reagiert extrem sensibel auf unsere Emotionen. Redewendungen wie „etwas schlägt mir auf den Magen“ oder „das muss ich erst mal verdauen“ haben einen sehr realen biologischen Hintergrund.
Wenn wir Trauer unterdrücken, schlucken wir sprichwörtlich Gefühle hinunter, die unser System nicht verarbeiten kann. Die Folgen können sein:
Reizdarmsyndrom: Ein ständiger Wechsel zwischen Verstopfung und Durchfall kann die innere Zerrissenheit spiegeln – das Schwanken zwischen Festhalten und dem Wunsch, endlich loszulassen.
Sodbrennen und Übelkeit: Emotionen, die eigentlich „hochkommen“ wollen, aber immer wieder heruntergedrückt werden, können sich als aufsteigende Magensäure oder ein permanentes Gefühl des Unwohlseins zeigen.
Erschöpfung und Schlafstörungen als Systemüberlastung
Fühlen Sie sich permanent müde, ganz egal, wie viel Sie schlafen? Chronische Erschöpfung ist ein klares Warnsignal dafür, dass Ihr Nervensystem im Daueralarm läuft. Das ständige Unterdrücken von Gefühlen verbraucht eine gewaltige Menge an Energie.
Ihr Körper investiert seine gesamten Ressourcen in das Management dieses emotionalen Staudamms. Diese Energie fehlt Ihnen dann für den Alltag, für Konzentration und Lebensfreude. Das Ergebnis ist eine tiefe, unerklärliche Erschöpfung.
Daten bestätigen diesen Zusammenhang eindrücklich. Deutsche Quellen wie das Knappschaft-Magazin berichten, dass nicht verarbeitete Trauer bei 35 % der Betroffenen zu kognitiven Störungen wie geistiger Erschöpfung und Konzentrationsproblemen führt. Hinzu kommen körperliche Symptome wie Migräne bei 22 % oder sogar Haarverlust bei 10–15 %.
Herzklopfen und Engegefühl als unbewusste Angst
Das Herz ist nicht nur ein Muskel, es ist unser emotionales Zentrum. Verdrängte Trauer ist oft eng mit unbewussten Ängsten verknüpft – Angst vor dem Alleinsein, Angst vor der Zukunft oder die tief sitzende Angst vor der eigenen Verletzlichkeit.
Diese Ängste können sich direkt auf das Herz-Kreislauf-System auswirken:
Herzrasen oder Herzstolpern: Plötzliches, unerklärliches Herzklopfen kann ein körperlicher Ausdruck von Panik sein, die direkt unter der Oberfläche schlummert.
Engegefühl in der Brust oder Atemnot: Das Gefühl, als würde einem jemand die Luft abschnüren, kann die emotionale Enge symbolisieren, die entsteht, wenn Trauer keinen Raum bekommt. Detaillierte Beschreibungen zeigen, dass Symptome wie Muskelschwäche, Kurzatmigkeit und Brustbeklemmungen bei 40 % der Trauernden auftreten, oft schon ab dem dritten Monat nach einem Verlust.
Diese Symptome zu verstehen, ist der erste entscheidende Schritt, um die Kontrolle zurückzugewinnen. Sie sind keine Feinde, sondern Wegweiser, die Sie zur eigentlichen Ursache führen. Indem Sie lernen, die Sprache Ihres Körpers zu übersetzen, öffnen Sie die Tür zur Heilung.
Verdrängte Trauer, Depression und Angst – Wo liegt der Unterschied?
Auf den ersten Blick ähneln sich die körperlichen Signale stark: Anhaltende Erschöpfung, unruhiger Schlaf, Magen-Darm-Probleme oder ein permanentes Gefühl von Angespanntheit – all das kann sowohl bei verdrängter Trauer als auch bei einer Depression oder Angststörung auftreten. Doch genau hier liegt die Tücke. Eine klare Unterscheidung ist absolut entscheidend, denn nur so lässt sich der richtige Hebel für eine Besserung finden.
Die Gemeinsamkeiten sind übrigens kein Zufall, sondern biologisch erklärbar. Trauer, Depression und Angst aktivieren alle unser körpereigenes Stresssystem. Das führt zu einer erhöhten Ausschüttung von Stresshormonen wie Cortisol und Adrenalin, was wiederum die uns bekannten körperlichen Symptome auslöst. Der springende Punkt ist aber nicht das Was, sondern das Warum – also die Ursache und der emotionale Kontext dahinter.
Der entscheidende Unterschied liegt im Auslöser
Der vielleicht wichtigste Anhaltspunkt zur Abgrenzung ist der direkte Bezug zu einem konkreten Verlust. Eine Depression fühlt sich oft wie eine alles durchdringende, schwere Decke an – eine generelle Freud- und Antriebslosigkeit, für die es scheinbar keinen einzelnen, greifbaren Auslöser gibt. Die Symptome bei verdrängter Trauer sind dagegen direkt an einen ungelösten Verlust gekoppelt.
Verdrängte Trauer: Die körperlichen und emotionalen Tiefs werden durch ganz bestimmte Trigger ausgelöst. Das kann ein Lied sein, das Sie mit einer Person verbinden, ein Jahrestag, ein bestimmter Geruch. In Momenten ohne diesen Auslöser können Sie aber durchaus Freude empfinden und voll am Leben teilnehmen.
Depression: Hier herrscht oft ein chronischer Zustand der Leere und des Desinteresses. Die Fähigkeit, Freude zu empfinden (in der Fachsprache Anhedonie), ist generalisiert und nicht an bestimmte Situationen gebunden. Alles fühlt sich grau und schwer an, ganz egal, was um Sie herum passiert.
Stellen Sie sich Ihre Gefühlswelt wie eine Landschaft vor. Bei verdrängter Trauer gibt es sonnige Abschnitte, aber eben auch tiefe, schmerzhafte Schluchten, in die Sie durch bestimmte Auslöser plötzlich stürzen können. Bei einer Depression hingegen liegt ein dichter, zäher Nebel über der gesamten Landschaft, der die Sicht trübt und alles dämpft.
Ein Blick auf Denkmuster und die Gefühlswelt
Auch die Art der Gedanken und Gefühle gibt wichtige Hinweise. Bei verdrängter Trauer kreisen die Gedanken oft um den Verlust selbst, um Schuldfragen oder ein tiefes Gefühl des Vermissens. Die körperlichen Symptome sind eine direkte Antwort auf diese unterdrückten, aber sehr spezifischen Emotionen.
Bei einer Angststörung wiederum stehen Sorgen um die Zukunft, Katastrophengedanken und eine diffuse, ungerichtete Furcht im Vordergrund. Körperliche Symptome wie Herzrasen oder Atemnot sind hier eher Ausdruck einer ständigen Alarmbereitschaft und Bedrohungserwartung – weniger eine Reaktion auf einen vergangenen Schmerz.
Die folgende Tabelle fasst die wichtigsten Unterscheidungsmerkmale noch einmal übersichtlich zusammen, um Ihnen eine klarere Einordnung zu ermöglichen.
Merkmal | Verdrängte Trauer | Depression | Angststörung |
|---|---|---|---|
Primärer Auslöser | Ein spezifischer, unverarbeiteter Verlust (Tod, Trennung, Jobverlust) | Oft kein klarer, einzelner Auslöser; generalisiertes Gefühl | Diffuse Sorgen um zukünftige Ereignisse; Bedrohungsgefühl |
Emotionale Qualität | Wellen von Schmerz, Sehnsucht, Wut; dazwischen normale Phasen | Anhaltende Leere, Hoffnungslosigkeit, Verlust von Freude (Anhedonie) | Ständige Anspannung, Furcht, Panik, Sorge |
Kognitive Muster | Gedanken kreisen um den Verlust, Erinnerungen, Schuldgefühle | Negative Selbstbewertung, Wertlosigkeit, Hoffnungslosigkeit | Katastrophendenken, "Was-wäre-wenn"-Szenarien |
Zeitlicher Fokus | Auf die Vergangenheit und den erlebten Verlust gerichtet | Oft auf Gegenwart und Vergangenheit bezogen, aber verallgemeinert | Stark auf die Zukunft und potenzielle Gefahren ausgerichtet |
Diese Unterscheidung ist weit mehr als nur eine akademische Übung. Sie ist der Schlüssel, um die wahre Ursache Ihrer körperlichen Beschwerden anzugehen. Behandelt man verdrängte Trauer fälschlicherweise wie eine Depression, kämpft man nur gegen die Symptome, aber nicht gegen die Wurzel. Erst wenn die Trauer den Raum bekommt, den sie braucht, kann auch der Körper endlich wieder zur Ruhe kommen und heilen.
Erste-Hilfe-Strategien für Körper und Seele
Wenn Sie merken, dass Ihr Körper unter verdrängter Trauer leidet, ist das ein entscheidender Moment. Es ist der Punkt, an dem Sie bereit sind, die Signale nicht länger zu ignorieren. Jetzt können Sie aktiv werden und eine Brücke bauen – zwischen Ihrem Körper und den Gefühlen, die bisher keinen Raum hatten. Dafür braucht es keine riesigen Anstrengungen, sondern kleine, bewusste Schritte im Alltag.
Diese Strategien sind wie ein Erste-Hilfe-Kasten. Sie helfen, den Teufelskreis aus körperlichem Schmerz und emotionaler Verdrängung zu durchbrechen und die so wichtige Verbindung zu sich selbst wieder zu stärken.

Den Körper bewusst spüren und beruhigen
Wenn die innere Anspannung hoch ist, ist der Körper der direkteste Zugang zu Ihrem Nervensystem. Anstatt zu versuchen, die Symptome wegzudenken, können Sie lernen, ihnen mit Achtsamkeit zu begegnen. So signalisieren Sie Ihrem System: „Ich bin hier, ich höre dich.“
Achtsames Atmen: Setzen oder legen Sie sich für fünf Minuten hin und konzentrieren Sie sich nur auf Ihren Atem. Versuchen Sie die 4-7-8-Technik: Vier Sekunden lang durch die Nase einatmen, den Atem für sieben Sekunden halten und dann acht Sekunden lang hörbar durch den Mund ausatmen. Diese simple Übung aktiviert den Parasympathikus – Ihre innere Bremse – und signalisiert Ihrem Körper sofortige Sicherheit.
Sanfte Dehnübungen: Wo genau spüren Sie die Verspannung? Im Nacken, in den Schultern, im unteren Rücken? Dehnen Sie genau diese Bereiche ganz langsam und behutsam. Stellen Sie sich dabei vor, wie Sie mit jeder Ausatmung nicht nur Muskeln lockern, sondern auch festgehaltene Emotionen loslassen.
Diese einfachen, körperorientierten Übungen sind oft der beste Weg, um aus dem chronischen Alarmzustand auszusteigen. Wenn Sie die Grundlagen der Achtsamkeit vertiefen möchten, finden Sie wertvolle Anregungen in unserem Artikel über Achtsamkeit im Business.
Muster erkennen mit einem Körpersymptom-Tagebuch
Verdrängte Trauer und ihre körperlichen Symptome folgen oft einem Muster. Ein kleines Tagebuch ist ein unglaublich wirksames Werkzeug, um diese Muster zu entschlüsseln. Es geht nicht darum, lange Texte zu verfassen, sondern um gezielte, ehrliche Beobachtung.
Dokumentieren Sie täglich kurz und knapp:
Welches Symptom trat auf? (z. B. stechender Kopfschmerz, Magenkrampf)
Wann genau? (Uhrzeit, Tag)
Was ist unmittelbar davor passiert? (Eine Situation, ein bestimmter Gedanke, ein Gespräch)
Wie intensiv war es auf einer Skala von 1-10?
Schon nach ein oder zwei Wochen werden Sie wahrscheinlich Zusammenhänge erkennen. Vielleicht taucht die Migräne immer nach Telefonaten mit einer bestimmten Person auf. Oder die Bauchschmerzen melden sich zuverlässig, wenn Sie sich allein fühlen. Dieses Bewusstsein ist der Schlüssel zur Veränderung.
Ihr Körper lügt nicht. Er ist ein präziser Kompass, der auf ungelöste emotionale Themen zeigt. Das Tagebuch hilft Ihnen, seine Sprache zu übersetzen.
Der Trauer bewusst Raum geben
Ständiges Verdrängen kostet enorm viel Kraft. Es kann paradoxerweise entlastender sein, der Trauer gezielt einen kleinen, sicheren Raum zu geben, als sie permanent wegzudrücken. Schaffen Sie sich kleine Rituale, die Ihnen helfen, die Gefühle dosiert und kontrolliert zuzulassen.
Eine Trauer-Kerze: Zünden Sie einmal am Tag bewusst eine Kerze für Ihren Verlust an. Erlauben Sie sich für die Zeit, in der die Kerze brennt, ganz bewusst an die Person oder die Situation zu denken und zu fühlen, was auch immer hochkommt. Ohne Urteil.
Musik als Ventil: Erstellen Sie eine Playlist mit Liedern, die Ihre Trauer widerspiegeln. Hören Sie diese bewusst, wenn Sie allein und ungestört sind. Erlauben Sie den Tränen zu fließen, wenn sie kommen – sie sind ein natürlicher Teil des Heilungsprozesses.
Diese Strategien sind erste, kraftvolle Schritte zur Selbsthilfe. Sie holen die Trauer aus der unbewussten körperlichen Ebene zurück ins Bewusstsein – dorthin, wo sie endlich gehört und verarbeitet werden kann.
Wann professionelle Unterstützung der nächste Schritt ist
Die Strategien, die wir bisher besprochen haben, sind kraftvolle Werkzeuge zur Selbsthilfe. Doch genauso wichtig ist es, die eigenen Grenzen zu erkennen. Wirkliche Selbstfürsorge heisst auch, zu wissen, wann es an der Zeit ist, sich Unterstützung von aussen zu holen. Man muss den Weg aus dem Schmerz nicht allein gehen.
Sich professionelle Hilfe zu suchen, ist kein Zeichen von Schwäche. Ganz im Gegenteil: Es ist ein mutiger und kluger Schritt in Richtung Heilung. Gerade wenn verdrängte Trauer körperliche Symptome verursacht, die den Alltag belasten, kann ein gezielter Blick von aussen den entscheidenden Unterschied machen.
Klare Anzeichen, dass es Zeit für Hilfe ist
Manchmal ist der Übergang fliessend. Wann ist es noch intensive, aber „normale“ Trauer und wann ein Zustand, der professionelle Begleitung braucht? Es gibt ein paar klare Warnsignale, bei denen Sie nicht zögern sollten:
Die Dauer: Ihre körperlichen und emotionalen Beschwerden halten seit mehr als sechs Monaten an oder werden sogar schlimmer.
Die Intensität: Die Symptome schränken Sie im Alltag massiv ein. Sie können sich kaum auf die Arbeit konzentrieren, Hobbys machen keine Freude mehr oder alltägliche Aufgaben fühlen sich wie ein riesiger Berg an.
Der soziale Rückzug: Sie meiden immer öfter den Kontakt zu Freunden und Familie – weil es zu anstrengend ist oder Sie niemanden belasten wollen.
Wenn einer oder mehrere dieser Punkte auf Sie zutreffen, hat Ihr System wahrscheinlich nicht mehr genug Ressourcen, um den Prozess allein zu bewältigen. Das ist genau der Moment, in dem ein professioneller Partner an Ihrer Seite den Weg ebnen kann.
Wie ein Coaching an der Wurzel ansetzt
Ein spezialisiertes Emotions- und Stresscoaching geht einen entscheidenden Schritt weiter als die reine Behandlung von Symptomen. Anstatt nur die Kopfschmerzen oder die Schlafstörungen zu adressieren, setzen wir direkt an der emotionalen Wurzel des Problems an. Das Ziel ist es, genau die innere Blockade zu lösen, die die körperlichen Reaktionen überhaupt erst auslöst.
Man kann es sich so vorstellen: Wir bringen dem Nervensystem bei, dass die alte Bedrohung vorbei ist. Anstatt den emotionalen Staudamm immer weiter zu verstärken, lernen Sie, das Wasser kontrolliert und sicher abfliessen zu lassen, bis der Fluss wieder frei ist.
Ein solches Coaching hilft Ihnen dabei, Ihre Fähigkeit zur Selbstregulation gezielt zu trainieren. Sie lernen, die Signale Ihres Körpers nicht nur zu verstehen, sondern sie auch aktiv zu beeinflussen. Anstatt von den Wellen der Trauer und den körperlichen Reaktionen überrollt zu werden, werden Sie wieder zum Kapitän Ihres eigenen Schiffes.
Mit bewährten Methoden lernen Sie, emotionale Blockaden aufzulösen und wieder Zugang zu Ihrer inneren Stärke zu finden. Mehr darüber, wie ein solcher zielgerichteter Prozess funktioniert, erfahren Sie unter dem Punkt Emotionscoaching. Es geht dabei nicht nur um kurzfristige Linderung. Es geht darum, nachhaltig Resilienz aufzubauen, damit Sie zukünftige Herausforderungen im Leben mit mehr Gelassenheit und Kraft meistern können.
Was Sie vielleicht noch beschäftigt
Zum Schluss möchte ich noch ein paar Fragen aufgreifen, die mir in meiner Arbeit immer wieder begegnen, wenn es um verdrängte Trauer und ihre körperlichen Folgen geht. Vielleicht finden Sie sich in der einen oder anderen Antwort wieder.
Können körperliche Symptome auch Jahre nach einem Verlust auftreten?
Ja, absolut. Und das ist sogar ziemlich typisch. Verdrängte Trauer hat kein Ablaufdatum. Oft tauchen die körperlichen Signale erst Monate oder sogar Jahre später auf, wenn ein neues Ereignis – sei es Stress im Job, ein Umzug oder eine neue Beziehung – das Fass zum Überlaufen bringt.
Diese neue Belastung rüttelt dann an der alten, unverarbeiteten emotionalen Last und drückt sie an die Oberfläche. Ihr Körper hat die Anspannung von damals gespeichert, er vergisst nicht.
Verschwinden die Symptome, wenn ich anfange zu trauern?
Sobald Sie der Trauer bewusst einen Raum geben, ist der wichtigste Schritt getan. Die Symptome verschwinden aber selten über Nacht, denn Ihr Nervensystem muss sich erst langsam wieder neu justieren.
Die meisten Menschen spüren jedoch eine schrittweise Erleichterung. Der Grund ist einfach: Der Körper muss nicht mehr die ganze Energie aufwenden, um die Gefühle unter dem Deckel zu halten.
Man kann sich das wie einen tief sitzenden Muskelknoten vorstellen. Es braucht Zeit, Geduld und die richtige Herangehensweise, um ihn zu lösen. Aber die Entspannung, die danach einsetzt, ist tief und nachhaltig.
Welche Rolle spielt das Alter bei verdrängter Trauer?
Das Alter prägt oft, wie wir mit Trauer umgehen gelernt haben. Ältere Generationen wurden häufig dazu erzogen, „stark zu sein“ und Gefühle nicht offen zu zeigen, was eine Verdrängung natürlich begünstigt.
Bei jüngeren Menschen kann es die schiere Überforderung sein, die dazu führt, dass sie intensive Gefühle erst mal wegschieben, weil ihnen die Erfahrung im Umgang damit fehlt. Aber egal, wie alt wir sind: Der Mechanismus bleibt derselbe. Trauer, die nicht gefühlt wird, sucht sich ihren Weg – und der führt oft direkt in den Körper.
Kann man Trauer auch „falsch“ verarbeiten?
Es gibt kein Richtig oder Falsch. Jeder Trauerprozess ist einzigartig. Schwierig wird es nur dann, wenn die unbewusste Strategie „Verdrängung“ heisst und zu dauerhaftem Leiden führt.
Der einzige „Fehler“ ist, die Signale des eigenen Körpers auf lange Sicht zu ignorieren. Wenn verdrängte Trauer körperliche Symptome auslöst, ist das ein klares Zeichen. Es zeigt, dass der bisherige Weg nicht in die Heilung führt, sondern in eine Sackgasse. Dann ist es Zeit für eine Kurskorrektur.
Wenn Sie spüren, dass Sie an diesem Punkt professionelle Begleitung benötigen, um die wahren Ursachen Ihrer körperlichen und emotionalen Belastung zu lösen, kann ein gezieltes Coaching der nächste Schritt sein. Bei Salmi Coaching unterstütze ich Sie dabei, emotionale Blockaden zu lösen und Ihre innere Stärke zurückzugewinnen. Erfahren Sie mehr und vereinbaren Sie ein unverbindliches Erstgespräch.









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